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Ich weiß nicht, wie Sie darüber denken, aber wenn ich Blumen kaufe, möchte ich Blumen. Eigentlich ganz einfach. Ich möchte keine Stöckchen, Hölzchen oder Gitterchen, kein Bast, keine Taftschleife, keinen Schleier und schon gar kein Glitzerspray auf den Blättern. Ich möchte meinen Strauß auch nicht mit drei Meter fliederfarbenem Papier aufgedonnert haben wie einen High-Society-Hut beim Pferderennen in Ascot. Zwei, drei Sträußchen altmodisches Schleierkraut oder ein paar dezente grüne Stängel sind in Ordnung, doch die Rosen, die Gerbera, die Lilien sollen für sich sprechen und keine Nebenrolle spielen. Sorry, ihr von der Floristenzunft, die Ihr die tollsten Kunstwerke kreiert – ist eben Geschmacksache.
Noch einige Beispiele gefällig für „zuviel des Guten“? Reichlich überkandidelt finde ich zum Beispiel die smarten Farbbeschreibungen in Prospekten und Modekatalogen der edleren Art. Mauve, malve, mango, magent – wow, das könnte man glatt vertonen. Es ist aber leider nicht hilfreicher als Salbe auf einem Holzbein. Wenn Sie sich grade an ecru gewöhnt hatten, werden Sie sich nun zwischen kieselstein, birke, sahara, auster oder leinen heillos verfranzen. Und wie grün ist mein T-Shirt, wenn ich es wahlweise in palme, salbei, thymian oder strandhafer bestelle? Da werde ich möglicherweise mein blaues, pardon, grünes Wunder erleben.
Da wir grade bei grün sind. „Hattest Du nicht einen grünen Salat bestellt?“, fragt mein Begleiter. „Eigentlich schon, ich suche ihn grade“, sage ich und räume mit der Gabel drei Walnusskerne, einen Streifen rote Paprika, je einen Löffel Karottenraspel und Krautsalat und vier Cocktailtomaten zur Seite. Außerdem zwei weißliche Stangen, nein, kein Spargel, irgendwas Asiatisches. Dann endlich schimmert es grün und ich finde an der Basis tatsächlich drei Blätter Kopfsalat. Für meinen Geschmack ist dieser Salat eindeutig überqualifiziert!
Genau passend dagegen ist der Wein, den man uns zu den verschiedenen Gängen des Menüs empfiehlt. Vollmundig, weich, trocken oder spritzig – ich bewundere den Sachverstand des Obers.
„Das ist Basiswissen“, relativiert mein Gegenüber, während wir anstoßen. „Da gibt’s noch weitaus schrägeres Vokabular, mit dem Kenner ihren Lieblingswein belegen. Wusstest Du, dass ein Wein muskulös sein kann oder engmaschig, nervig, schlank oder mollig? Dass er sich finessenreich am Höhepunkt bewegen und unendlich im Abgang sein kann?“ Ich lächle meinen Begleiter an. „Du bist sicher, dass Du von Wein sprichst?“
Helga F. Weisse (74)
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ist freie Autorin,
scharfsinnige Alltags-
beobachterin und
Kolumnistin bei rostfrei.
Tags: Schuss