Abschied vom Alltäglichen

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Über den Tod spricht man nicht gerne und denkt auch nicht gerne über ihn nach. Aber immer mehr Menschen wünschen sich eine ganz individuelle Zeremonie für ihre Beerdigung, bei der die eigene Lebenseinstellung zum Ausdruck kommt.

Eine traurige Begleiterscheinung des Älterwerdens ist die Tatsache, dass man sich immer öfter auf Beerdigungen trifft, um Bekannten, Freunden und Verwandten die letzte Ehre zu erweisen. Vielleicht geht es Ihnen auch so, dass Sie in den letzten Jahren häufiger Bestattungen gesehen haben, die etwas anders waren, als es die Tradition vorschreibt. Da wird plötzlich ganz moderne Musik gespielt, der Grabstein sieht völlig anders aus als auf den Nachbargräbern, ein Teil der Trauergäste ist nicht mehr schwarz gekleidet und die letzten Worte spricht kein Pfarrer, sondern ein professioneller Redner.
Laut einer Meinungsumfrage will nur noch ein Drittel der Deutschen klassisch in einem Sarg beerdigt werden. 39 Prozent wünschen sich eine Feuerbestattung und 7 Prozent wollen ihren Körper nach dem Tod der medizinischen Forschung zur Verfügung stellen. Lediglich ein Fünftel der Befragten will den Hinterbliebenen die Entscheidung über die Art und Weise der Bestattung überlassen, aber mehr als die Hälfte kann sich inzwischen vorstellen, außerhalb eines Friedhofes beigesetzt zu werden. Unsere Bestattungsgesetze erlauben nach wie vor wenig Gestaltungsraum für eigene Wünsche und Vorstellungen, aber mit ein wenig Fantasie und möglicherweise mit dem Umweg über eines unserer Nachbarländer gibt es durchaus Möglichkeiten für eine zwar dem traurigen Anlass würdige, aber gleichzeitig moderne und individuelle Bestattungskultur.

Diamonds are forever

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„Ein Diamant ist unvergänglich“, heißt es in der Werbung eines Juweliers und solch ein unvergängliches Erinnerungsstück kann man sich auch aus der Asche eines geliebten Menschen formen lassen. In Deutschland gilt zwar der Bestattungszwang, der vorschreibt, dass auch die Asche der Verstorbenen auf einem Friedhof beigesetzt werden muss, aber viele Bestattungsunternehmen bieten an, einen Teil der Asche in die Schweiz zu überführen, um dort ganz legal einen Diamanten daraus zu pressen. Dafür werden zunächst alle organischen Stoffe (z.B. Salze und Oxide) aus der Asche entfernt, damit der reine Kohlenstoff übrig bleibt, denn aus nichts anderem besteht auch ein Diamant. Unter extrem hohem Druck und hoher Temperatur geschieht dann die Umwandlung der Asche in einen Diamanten, wobei der Prozess je nach der Größe des Steins mehrere Wochen und Monate dauern kann. Der Rohdiamant wird danach noch individuell geschliffen und auf Wunsch mit einer Mikrogravur beschriftet, die nur unter einem Mikroskop lesbar ist. Fertig ist ein edler Erinnerungsdiamant, der natürlich nicht billig ist, aber eine wahrlich bleibende Erinnerung verkörpert.

Unter allen Wipfeln ist Ruh’
Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Baumbestattung, bei der die Asche eines Verstorbenen im Wald beigesetzt wird. Der RuheForst Hunsrück in der Nähe von Niederhosenbach bietet die letzte Ruhestätte in geschichtsträchtiger Umgebung, denn in unmittelbarer Nachbarschaft liegt ein Hügelgräberfeld aus römisch-keltischer Zeit. In einem 130-jährigen Eichen- und Buchenwald kann man sich ein so genanntes RuheBiotop als Grabfläche auswählen, in dessen Mittelpunkt sich ein Baum, ein Strauch oder auch ein moosüberzogener Baumstumpf befinden kann. Um den Waldboden nicht zu belasten, sind im RuheForst nur Urnenbestattungen möglich. Die biologisch abbaubare Urne besteht aus Stärke, die ein kunststoffähnliches Material bildet und innerhalb von wenigen Monaten im Boden zersetzt wird. Wenn die Asche der Verstorbenen dann in den Nährstoffkreislauf übergeht, mag es ein tröstlicher Gedanke sein, dass ein paar kleine Atome vielleicht in das Holz eines mächtigen Baumes eingebaut werden und so noch viele Jahre Bestand haben. Natürlich ist auch die namentliche Bezeichnung einer Grabstelle mit einem kleinen Schild möglich. Die Grabpflege im RuheForst ist aber weder nötig noch erwünscht, weil das Erscheinungsbild des alten Laubwaldes erhalten werden soll. Die Nutzung eines RuheBiotopes wird vertraglich für die Dauer von 99 Jahren vereinbart. Man kann sich also schon zu Lebzeiten ein geeignetes Plätzchen reservieren.

Letzte Ruhe im Designobjekt
Eine Urne muss nicht immer so aussehen wie eine Urne. Thomas Schär hat für das schweizerische Unternehmen Urne.ch eine Kollektion an individuell gestalteten Objekten entworfen, die er als moderne und selbstbewusste Mahnmale der Trauer versteht. Die eleganten Urnen sind aus Edelstahl, Glas, Steingut oder Holz gefertigt und kommen zum Teil in metallisch leuchtenden Farben daher. Eigentlich sind sie viel zu schade, um in der Erde begraben zu werden oder in einer Urnenwand zu verschwinden. In der Schweiz, wo ein viel liberaleres Bestattungsgesetz es den Hinterbliebenen erlaubt, die Asche von Verstorbenen auch in den eigenen vier Wänden aufzubewahren, ist das individuelle Design einer Urne natürlich viel wichtiger als bei uns. Aber wie formulierte es Albert Schweizer so treffend: „Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen der Mitmenschen.“

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Wer kein echter Fußballfan ist und nicht bei jedem Heimspiel seiner Mannschaft auf der Tribüne mitfiebert, wird sich wohl kaum für diese letzte Ruhestätte begeistern können, die es seit wenigen Monaten in Hamburg gibt: Die Anhänger des Hamburger Sportvereins (HSV) können sich in unmittelbarer Nähe des Stadions auf dem „Grabfeld HSV“ des Hauptfriedhofes von Altona beisetzen lassen. Das stadionartige Grabfeld ist mit Original-Fußballrasen und Treppenstufen wie in einer Arena ausgestattet und bietet Platz für 300 bis 500 HSV-Fans. Die können beizeiten zwischen einem „Teamgrab“ oder der Ruhestätte „Doppelpass“ wählen und dazu vielleicht noch einen Grabstein in Fußballform aufstellen lassen. Viele von uns mögen diese Art der Bestattung geschmacklos finden und den gebürtigen Respekt gegenüber Verstorbenen vermissen, aber wer möchte schon einem Menschen, dessen wichtigster Lebensinhalt über Jahrzehnte der Fußballverein gewesen ist, nun seinen letzten Willen ausschlagen.

Weitere Informationen:

RuheForst Hunsrück

55758 Niederhosenbach
Tel.: (0 67 85) 94 37 40
E-Mail: kontakt@ruheforst-hunsrueck.de
www.ruheforst-hunsrück.de

Algordanza Erinnerungs-
Diamanten GmbH

Robert-Bosch-Str. 29a,
88131 Lindau am Bodensee
Tel.: (0 83 82) 70 98 09
E-Mail: info@algordanza.de
www.algordanza.de

Urne.ch GmbH
Stationstr. 21, Ch-8003 Zürich
Tel.: (0041) 443 010 600
E-Mail: info@urne.ch
www.urne.ch

Aeternitas e.V.

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Verbraucherinitiative
Bestattungskultur
Dollendorfer Straße 72,
53639 Königswinter
Tel.: (0 22 44) 92 53 7
E-Mail: info@aeternitas.de
www.aeternitas.de

Bundesverband Deutscher Bestatter e.V.

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Volmerswerther Str. 79,
40221 Düsseldorf
Tel.: (0 211) 16 00 810
E-Mail: info@bestatter.de
www.bestatter.de

Text: Andreas Hartkopf