Ahle Wurscht und Stinkerkäse

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Unter dem Motto „Essen, was man retten will“ veranstaltete der Verein Slow Food in Rüdesheim eine so genannte „Arche-Woche“, bei der regionale Spezialitäten vorgestellt wurden, die in Vergessenheit zu geraten drohen. Der Gutsausschank Schlossberg vom Weingut Georg Breuer verwandelte sich für acht Tage in eine kulinarische Probierstube, in der sich ausnahmsweise mal nicht alles um den Wein drehte. Christian Blake move

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Mit dem richtigen Käse im Rucksack kann man sogar ein überfülltes Zugabteil ganz schnell entvölkern. Der Weißlacker Käse hat eine weltweit unübertroffene Eigenschaft: Er „duftet“ phänomenal. Von dieser Eigenschaft konnte man sich Anfang November 2007 in Rüdesheim überzeugen, als der Verein Slow Food zur ersten „Arche-Woche“ in den Rheingau geladen hatte. Zusammen mit rund 20 weiteren Produkten gehört der Weißlacker Käse zu dem Projekt „Arche des Geschmacks“, mit dem die Mitglieder von Slow Food einen Beitrag zur Erhaltung der regionalen Vielfalt unserer Lebensmittel leisten wollen. Die Passagiere der Arche sind Lebensmittel, die selten oder sogar vom Aussterben bedroht sind, einen Beitrag zur geschmacklichen Vielfalt leisten und identitätsbildend für ihre Region sind. Die Tiere müssen aus artgerechter Haltung stammen und alle Produkte müssen frei von gentechnischen Veränderungen sein. Außerdem müssen die Lebensmittel für den Kunden erwerbbar sein, auch wenn es sie vielleicht nur noch in kleinen Mengen gibt. Wo Sie die Arche-Produkte kaufen können, erfahren Sie bei Slow Food.
Die regionalen Küchenspezialitäten und Geschmäcker sind für Slow Food genauso wie Sprache, Musik, Religion und Architektur Bestandteile einer lebendigen Kultur. Dazu gehören auch die regionaltypische Landwirtschaft und die unterschiedlichen Techniken der Lagerung, Verarbeitung und Zubereitung von Lebensmitteln. In Nordhessen wird beispielsweise seit Jahrhunderten die „Ahle Wurscht“ hergestellt. Als sich hier noch nahezu jeder Haushalt ein Schwein hielt, um die Grundversorgung der Familie zu sichern, wurde das Fleisch nach der Schlachtung haltbar gemacht, indem man es zu Würsten verarbeitete. Für die traditionelle „Ahle Wurscht“ werden schwere „Wurstschweine“ geschlachtet, die aufgrund ihres Alters ein besonders gut geeignetes Fleisch haben. An Zusätzen werden nur Salz und Salpeter sowie frisch gemahlene Gewürze beigegeben, die sich je nach Hersteller unterscheiden und der Wurst eine individuelle Note geben.

Wein trifft Käse, Wurst und Linsen
Chefkoch Matthias Böhler, der die Produkte der Arche-Woche gemeinsam mit Slow Food ausgesucht hat, servierte die Ahle Wurscht auf Feldsalat mit einem Kartoffel-Kürbisdressing. Auf der Speisekarte fanden sich außerdem ein „Ostheimer Leberkäs“, der eigentlich eine Fleischterrine ist, Schwäbische „Alblinsen“ als Gemüsebeilage zu glasierten Schweinebäckchen, Zweierlei vom „Rhönschaf“ und natürlich unser Weißlacker, der mit einem Vinschgauer-Fladenbrot und marinierten Feigen gereicht wurde. Herrmann Schmoranz, Kellermeister vom Weingut Georg Breuer, komplettierte das Menü mit ausgesuchten Weinen und sorgte damit für die gelungene Synthese von ausgewählten Speisen mit den Rheingauer Spezialitäten Riesling und Spätburgunder.
Slow Food ist ein internationaler Verein, der 1986 von dem Italiener Carlo Petrini als Antwort auf die rasante Ausbreitung der Fastfood-Ketten gegründet wurde. Heute ist Slow Food eine weltweite Bewegung mit rund 80.000 Mitgliedern in 100 Ländern. Insgesamt 750 regionale Gruppen, sogenannte Convivien (lat. für Tafelrunde), organisieren zahlreiche Veranstaltungen mit dem Ziel, regionale Geschmäcker kennenzulernen und die Geschmacksvielfalt zu fördern. In Deutschland ist Slow Food seit 1992 aktiv und hat inzwischen rund 7000 Mitglieder in 63 Convivien.
Der Weißlacker Käse ist übrigens nicht nur eine regionale Spezialität, sondern auch der Liebling aller Wirte, weil er den Bierkonsum und damit den Umsatz gewaltig steigert. Pur genießen sollte man diese Spezialität aber nur gleichzeitig mit der kompletten Familie oder aber als Einsiedler, der keinen Wert auf weitere soziale Kontakte legt. Was tut man nicht alles zur Erhaltung der kulturellen Vielfalt.

Kontakt: Valkyrie hd Magnificent Desolation: Walking on the Moon 3D video download The Game movie King Kong divx
Slow Food Deutschland
Convivium Rheingau
Gisela Merten
Tel.: 06123 / 75880
E-Mail: rheingau@slowfood.de
www.slowfood.de

Buchtipp

Carlo Petrini
Gut, Sauber & Fair

Grundlagen einer
neuen Gastronomie
300 Seiten, 19,90 EUR
Tre Torri Verlag, Wiesbaden
http://www.tretorri.de

„Ich möchte die Geschichte einer Speise kennen. Ich möchte wissen, woher die Nahrung kommt. Ich stelle mir gerne die Hände derer vor, die das, was ich esse, angebaut, verarbeitet und gekocht haben.“ Carlo Petrini, der Begründer der Slow Food-Initiative spricht in seinem Buch die Themen an, die auch vielen deutschen Verbrauchern immer mehr am Herzen liegen: Gute Produkte und ihre richtige Verarbeitung, nachhaltige Landwirtschaft und regionale Vielfalt. Ausgeschmückt mit lebhaften autobiografischen Erinnerungen die sich abwechseln mit Überlegungen, Zahlen und konkreten Vorschlägen, bringt uns Petrini die vielschichtige Welt der Lebensmittel und die Philosophie der Slow Food-Bewegung näher.

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