Bingen – Von Mäusen und Menschen

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Rheinhessen hat viele Schätze, die es zu entdecken gilt. Mit unserer Bilderreise stellen wir Ihnen die schönsten Ortschaften und Sehenswürdigkeiten des sonnigen Hügellandes vor.

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Die Stadt Bingen hat laut Statistischem Landesamt 24.590 Einwohner, 15.415 Autos, 85 praktizierende Ärzte, 70 Weinbaubetriebe und 28 Pferde. Nur die Anzahl der Mäuse steht nicht in der Statistik und dabei sind die Nagetiere doch so wichtig für die Stadt. Angefangen hat alles im tiefsten Mittelalter, als ein tyrannischer Bischof der Sage nach durch Mäuse seine gerechte Strafe erhalten hat. Der Ort des Geschehens, der Mäuseturm, steht heute noch auf einem Felsen im Rhein und ist inzwischen das Wahrzeichen von Bingen. Damit die Besucher Bingen als Stadt der Mäuse in sympathischer Erinnerung behalten, haben die Stadtväter das Projekt „Bingen sucht die Maus“ ins Leben gerufen. Der Künstler Marcus Gräff hat eine circa ein Meter große Skulptur entworfen, die nicht nur an die Sage vom Mäuseturm erinnert, sondern mit ihrem korkenzieherartigen Schwanz auch auf die Bedeutung des Weinbaus in der Region aufmerksam machen soll. Inzwischen stehen die individuell gestalteten Mäuse schon vor vielen Geschäften der Stadt und machen Bingen noch ein wenig bunter. Wer sich „Auf den Spuren der roten Maus“ bewegen will, kann von Ostern bis Ende Oktober an jedem Samstag eine Stadtführung mitmachen, bei der alle wichtigen Sehenswürdigkeiten vorgestellt werden.

Rauf auf den Rochusberg

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Natürlich gibt es in Bingen mehr zu sehen als nur Mäuse. Bei schönem Wetter lohnt sich immer der Weg auf den Rochusberg. Mit ein wenig Kondition braucht man zu Fuß rund eine halbe Stunde auf den Berg. Leichter geht es natürlich mit dem Auto oder mit dem Bus. Der Aufstieg wird in jedem Fall durch eine herrliche Aussicht auf den Rhein und auf das Hinterland von Bingen belohnt. Am westlichen Ende des Berges steht der Kaiser-Friedrich-Turm, von dem man sehr gut sehen kann, wie die Nahe in den Rhein mündet. Am östlichen Ende kann man die Rochuskapelle besichtigen, die 1666 während der letzten europäischen Pestepidemie von den überlebenden Bürgern zu Ehren des Pestheiligen Rochus erbaut wurde. Bis heute feiern die Binger Bürger jedes Jahr im August das Rochusfest im Gedenken an diese schlimme Zeit, in der die Hälfte der damaligen Bevölkerung umgekommen ist.

Klopp in Bingen
Ein wenig unterhalb des Rochusberges steht die Burg Klopp auf dem Kloppberg. Der Ursprung dieser Anlage liegt weit zurück in keltischer Zeit, aber die heutige Burg wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts von einem reichen Kaufmann aus Köln im Zuge der Rheinromantik errichtet. Heute residiert die Stadtverwaltung von Bingen in der Burganlage und empfängt ihre Bürger standesgemäß auf dem Kloppberg. Von April bis Oktober kann man hier auf den Aussichtsturm steigen und hat dann einen sehr schönen Überblick über die Binger Innenstadt und die Basilika St. Martin. Ursprünglich stand ein römischer Tempel an dieser Stelle, wo dann im frühen Mittelalter eine Kirche errichtet wurde. In den folgenden Jahrhunderten ist die Kirche immer wieder zerstört und anschließend wieder aufgebaut worden bis Pabst Pius XI. das Bauwerk 1930 mit dem Ehrentitel einer „basilica minor“ würdigte. Danach ist die Basilika nur noch einmal zerstört und natürlich auch wieder aufgebaut worden. So leicht lassen sich die Binger nicht unterkriegen.

Die heilige Hildegard

Die berühmteste Persönlichkeit der Stadt ist zweifellos die heilige Hildegard von Bingen, die im Jahre 1098 in Bermersheim bei Alzey als Tochter des Grafen Hildebert geboren wurde. Mit 16 Jahren verpflichtet sich Hildegard zu einem Leben nach der Benediktinerregel und gründet später ein Kloster auf dem Rupertsberg im heutigen Stadtteil Bingerbrück und ein Filialkloster auf der anderen Rheinseite oberhalb von Rüdesheim. Hildegard lebte 81 Jahre lang und war schon zu Lebzeiten berühmt als kirchliche Querdenkerin und als hoch angesehene Heilkundige. Heute kann man sich im „Museum am Strom – Hildegard von Bingen“ über Leben und Wirken der Heiligen informieren. Seit der diesjährigen Landesgartenschau gibt es gleich neben dem Museum auch einen „Hildegarten“, in dem die Kräuter angebaut werden, die Hildegard damals zu Heilzwecken empfohlen hat. Das Museum ist täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Die Sage vom Mäuseturm
Im Jahre 974 ward große Teuerung in Deutschland, dass die Menschen aus Not Katzen und Hunde aßen und doch viele Leute Hungers starben. Da war ein Bischof zu Mainz, der hieß Hatto der Andere, ein Geizhals, dachte nur daran, seinen Schatz zu mehren, und sah zu, wie die armen Leute auf der Gasse niederfielen und bei Haufen zu den Brotbänken liefen und das Brot nahmen mit Gewalt. Aber kein Erbarmen kam in den Bischof, sondern er sprach: „Lasset alle Armen und Dürftigen sammeln in einer Scheune vor der Stadt, ich will sie speisen.“ Und wie sie in die Scheune gegangen waren, schloss er die Türe zu, steckte mit Feuer an und verbrannte die Scheune samt den armen Leuten, jung und alt. Als nun die Menschen unter den Flammen wimmerten und jammerten, rief Bischof Hatto: „Hört, hört, wie die Mäuse pfeifen!“
Allein Gott der Herr plagte ihn bald, dass die Mäuse Tag und Nacht über ihn liefen und an ihm fraßen, und vermochte sich mit aller seiner Gewalt nicht wider sie zu wehren. Da wusste er endlich keinen andern Rat, als er ließ einen Turm bei Bingen mitten im Rhein bauen, der noch heute zu sehen ist, und meinte sich darin zu flüchten, aber die Mäuse schwammen durch den Strom heran, erklommen den Turm und fraßen den Bischof lebendig auf.

Mehr Informationen:
Tourist-Information Bingen
Tel.: (06721) 184200
tourist-information@bingen.de, www.bingen.de

Text und Foto: Andreas Hartkopf