Ein Fest im Sattel

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Fahrradfahren boomt. In Deutschland gibt es rund 63 Millionen Fahrräder – das sind fast zwei in jedem Haushalt – und die meisten davon werden sogar regelmäßig bewegt.

Ob zum Einkaufen, auf dem Weg zur Arbeit oder im Urlaub: Das Fahrradfahren wird immer beliebter und das nicht erst, seit das Benzin immer mehr zum Luxusgut wird. Mehr als zwei Millionen Deutsche unternehmen jedes Jahr eine Radreise mit mindestens einer Übernachtung. Auch die Zahl der Radwege steigt ständig. In Deutschland gibt es inzwischen 125 Radfernwege mit einer Gesamtlänge von rund 50.000 Kilometern und dazu noch Hunderte von regionalen Radwegen. Wer in Rheinland-Pfalz eine Radtour unternehmen möchte, der findet im Internet unter www.radwanderland.de ein übersichtliches Portal mit allen Radwegen des Landes und mit einem Tourenplaner zur eigenen Vorbereitung. rostfrei hat für Sie drei Radtouren in unserer Region getestet, die für Radfahrer jeden Alters geeignet sind und abseits der Hauptstraßen durch die schönsten Landschaften im Naheland und in Rheinhessen führen.

Der Naheradweg: Wein, Wellness und Edelsteine

120 Kilometer ist die Nahe lang – von der Quelle im saarländischen Selbach bis zur Rheinmündung in Bingen. Genauso lang ist auch der Naheradweg, der sich zumeist auf asphaltierten Rad- oder Wirtschaftswegen am Fluss entlang schlängelt. Unterteilen Sie sich die Tour in drei Tagesetappen mit jeweils 40 Kilometern, dann bleibt genug Zeit, die Sehenswürdigkeiten im Naheland anzuschauen.

1. Tag:

Nicht weit von der Nahequelle liegt der Bostalsee, der mit einer Fläche von120 ha der größte See in Südwestdeutschland ist. Normalerweise ist das große Freizeitzentrum am See ein Eldorado für Familien und Wassersportler. In diesem Jahr musste der Wasserspiegel wegen Umbauarbeiten am Staudamm abgesenkt werden. Eine Besichtigung der Baustelle ist aber auch sicherlich interessant und wir sind ja nicht zum Baden hier, sondern zum Radfahren. Deshalb geht es am ersten Tag flussabwärts Richtung Idar-Oberstein. Ein kurzer steiler Anstieg kurz vor der Stadt wird belohnt durch zahlreiche Attraktionen der Edelsteinmetropole. Die berühmte Felsenkirche, die Edelstein-Erlebniswelt und eine stillgelegte Edelsteinmine sollten Sie auf keinen Fall verpassen.

2. Tag:
Am zweiten Tag geht es dann weiter nach Bad Sobernheim, der ersten von drei aufeinanderfolgenden Kurstädten. Kurz vor dem Etappenziel trifft der Radweg auf die Draisinenstrecke, ein tolles Erlebnis, für das man sich aber einen ganzen Tag Zeit nehmen sollte. Der Barfußpfad in Bad Sobernheim ist allerdings ein willkommener Kontrast zum Radfahren, um die müden Füße auf dem 3,5 Kilometer langen Pfad wieder richtig wach zu kitzeln.

3. Tag:
Der dritte Tag führt nach Bad Münster am Stein–Ebernburg, die sicherlich schönste Stadt im Naheland. Auf einer ehemaligen Bahnlinie führt der Weg vorbei am Rotenfels, der höchsten Felswand nördlich der Alpen, hinein in die Kurstadt. Wer noch genug Kraft hat, kann auf der anderen Naheseite den Rheingrafenstein mit seiner gleichnamigen Burgruine erklimmen oder sich im herrlichen Kurpark erholen. Durch das Salinental geht es weiter nach Bad Kreuznach. Wer den Ort bisher nur mit dem Auto durch endlose Gewerbegebiete hindurch erreicht hat, wird überrascht sein, wie malerisch sich die Kurstadt vom Fahrrad aus zeigt. Hier bietet sich eine Wellness-Pause im Bäderhaus oder im Thermalbad an, bevor es zur letzten Wegstrecke nach Bingen geht. Direkt am Rhein, wo der Naheradweg endet, treffen wir auf die Landesgartenschau. Es lohnt sich, für eine Übernachtung in Bingen zu bleiben, um sich das Blumenparadies in Ruhe anzuschauen. Die Fahrräder müssen hier allerdings draußen bleiben.

Rheinterrassenroute: Zwischen Rhein und Wein

Von Worms nach Mainz führen zwei Fahrradwege: Die Veloroute Rhein, die immer am Fluss entlang führt und die Rheinterrassenroute, die parallel zum Rhein auf der Anhöhe verläuft. Wir haben uns für den zweiten Weg entschieden, auf dem man zwar ein paar kurze Anstiege bewältigen muss, aber dafür auch die deutlich schönere Aussicht auf den Rhein und die rheinhessischen Weinlandschaften genießen kann. Wer noch nie in Worms gewesen ist, sollte einen Tag früher anreisen und sich das Nibelungenmuseum und den Kaiserdom anschauen. Den 53,5 Kilometer langen Radweg kann man dann wiederum an einem Tag durchradeln oder ganz gemütlich mit einer Übernachtung – beispielsweise in Oppenheim, wo die Katharinenkirche und die Ruine Landskrone zu einer Besichtigung einladen. Von Oppenheim aus führt der Radweg einige Kilometer direkt am Rhein entlang, bevor er hinter Nackenheim wieder in die Weinberge abknickt und über Bodenheim nach Laubenheim führt, wo die Rheinterrassenroute endet.

Der Selztalradweg: Ein Tag in Rheinhessen

Sanfte Hügel mit viel Sonne und wenig Regen machen Rheinhessen zu einer wunderbaren Radfahr-Region und auf dem Selztal-Radweg von Alzey nach Ingelheim kommt man ohne große Anstrengung einmal mitten hindurch. Der 55 Kilometer lange Weg startet zurzeit noch in Alzey, aber in den kommenden Jahren sollen auch die restlichen 10 Kilometer bis zur Selzquelle am Fuße des Donnersberges zum Radweg ausgebaut werden. Weil auf dem Weg keine größeren Anstiege zu bewältigen sind, kann man die Tour an einem Tag ganz gut schaffen.

Wem das allerdings zu lang ist und wer sich lieber Zeit nehmen will für die Fahrt durch malerische Weinberge, der kann auch eine Übernachtung auf der Hälfte des Weges einplanen. Am Besten auf einem der zahlreichen Weingüter entlang der Strecke, vielleicht in der Gegend um Hahnheim, Undenheim oder Köngernheim. Ein Unterkunftsverzeichnis finden Sie im Internet unter www.rheinhessen-radtouren.de. Dort können Sie auch die Broschüre „Radrouten Rheinhessen“ bestellen, in der die beliebtesten Radwege der Region und natürlich auch der Selztal-Radweg beschrieben sind.

Am nächsten Tag radelt sich der Rest der Strecke über Nieder-Olm, Stadecken-Elsheim und Schwabenheim dann wie von selbst und wenn die Selz schließlich in Ingelheim in den Rhein mündet, werden Sie ein bisschen enttäuscht sein, dass diese gemütliche Radtour schon zu Ende ist.

Fahrradtransport und Übernachtung

Noch ein Tipp für An- und Abreise: Wer seine Fahrräder im Zug mitnehmen will, sollte die Stoßzeiten am Freitagnachmittag, Samstagmorgen und Sonntagnachmittag möglichst meiden und auf keinen Fall an Feiertagen fah-ren. Eine Reservierung für die Fahrräder kann zwar helfen, nützt aber gar nichts, wenn bereits 200 Radfahrer die ohnehin knapp bemessenen Abstellmöglichkeiten im Zug belegen. Weitere Informationen hierzu im Internet unter www.bahn.de/bahnundbike. Fahrradfreundliche Unterkünfte zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass man auch nur für eine Nacht willkommen ist, eine sichere Abstellmöglichkeit für sein Fahrrad findet und eine Trockenmöglichkeit für Kleidung und Ausrüstung hat, falls es doch mal regnet. Solche Unterkünfte werden als Bett & Bike–Betrieb ausgezeichnet und man findet sie im Internet unter www.bettundbike.de oder im Übernachtungsverzeichnis „Bett & Bike, Fahrradfreundliche Gastbetriebe in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland“, erhältlich im Buchhandel zum Preis von 6,50 Euro.

Viel Spaß beim Radeln und vergessen Sie nicht, vor jeder Tour die Kette zu ölen, damit auch Ihr Fahrrad rostfrei bleibt.