Geriatrie – was ist das? Moderne Altersmedizin!

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Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern und den USA ist die Altersmedizin in Deutschland eine noch junge Wissenschaft. In den letzten 15 Jahren allerdings ist ihre Beachtung und Wertschätzung enorm gestiegen. Doch was genau bedeutet Geriatrie? Dr. Wolfgang Knauf, Chefarzt des Zentrums für Geriatrische Medizin an der Asklepios Paulinen Klinik in Wiesbaden, weiß es.

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Im Namen Geriatrie stecken die Worte geros (alter Mensch) und iatros (Arzt). Geriatrie bezeichnet also sinngemäß den Arzt für den älteren Menschen. Erstmals wurde das Wort von dem österreichischen Arzt Ignatius Leo Nascher verwandt, der 1863 in Wien geboren wurde und als Vater der Geriatrie gilt. Als er 1908 das damalige Versorgungsheim im österreichischen Lainz besuchte, war er vom Betreuungskonzept so beeindruckt, dass er den Begriff Geriatrie für die Medizin älterer Menschen prägte, in Anlehnung an den Begriff der Pädiatrie – Kinderheilkunde. Später war er dann viele Jahre in New York tätig, wo er im New York Medical Journal einen Artikel verfasste, in dem er die Gründung einer Geriatrie forderte. Bereits 1912 entstand auf seine Initiative die Society of Geriatry in New York und 1914 publizierte er sein Lehrbuch Geriatrics.

Die Eltern der Geriatrie

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Gilt Nascher als Vater der Geriatrie, so ist die Mutter der modernen Altersmedizin Frau Dr. Marjorie Warren, die ab 1930 in einer Langzeitabteilung eines Londoner Spitals für über 700 „nicht behandelbare Patienten“ verantwortlich war und bereits damals aufgrund ihrer positiven Erfahrungen spezielle Abteilungen für eine Altersmedizin forderte. Bereits damals wurde die Sinnhaftigkeit von vernetzen Strukturen erkannt und es wurden neue Wege beschritten, wie etwa die Eröffnung geriatrischer Tagesspitäler. Auch in anderen Ländern (Skandinavien, Niederlande) entstanden rasch solche speziellen Einrichtungen für ältere und alte Patienten. In Deutschland dauerte es hingegen sehr lange, bis sich die Altersmedizin als eigene Fachrichtung etablieren konnte. Das Geburtsjahr der Geriatrie in Deutschland geht auf das Jahr 1967 zurück, als im nordhessischen Hofgeismar seinerzeit die erste geriatrische Klinik entstand. Auch in den Folgejahren war die geriatrische Entwicklung bis Ende der 80er Jahre sehr zögerlich, danach kam es jedoch hierzulande zu einem regelrechten Boom. Die Bundesländer entwickelten unterschiedliche Geriatriepläne, in deren Gefolge mittlerweile etwa 400 Fachabteilungen bundesweit aufgebaut sind. In diesem Zusammenhang wurde als Modellprojekt des Bundes und des Landes in Wiesbaden als sechste hessische Geriatrie an der Asklepios Paulinen Klinik die Fachabteilung für Geriatrie eröffnet mit 60 vollstationären und 15 teilstationären Plätzen.

Selbstständigkeit der Patienten verbessern

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Das Charakteristikum der geriatrischen Medizin ist die ganzheitliche Behandlung des hoch betagten Patienten. Das Durchschnittsalter der behandelten Patienten beträgt mittlerweile 83 Jahre, drei von vier Patienten sind Frauen. Verschiedenen Professionen verfolgen dabei ein gemeinsames Ziel: Die Selbständigkeit des Patienten zu verbessern, die durch akute Krankheit gemindert wurde. Die geriatrische Behandlung analysiert entstandene Funktionseinbußen, zum Beispiel im Bereich der Mobilität, der Kontinenz oder des Gedächtnisses und formuliert Behandlungsteilziele. Medizinisch wird diese funktionsorientierte und nicht krankheitsbezogene Betrachtungsweise mit dem Fachausdruck eines geriatrischen Assessments bezeichnet. Mittlerweile ist allgemein anerkannt, dass die Behandlungserfolge geriatrischer Medizin nicht nur in hohem Prozentsatz erreicht werden können, sondern auch nachhaltig bestehen bleiben.

Der Autor:
Dr. Wolfgang Knauf
ist Chefarzt
des Zentrums für Geriatrische Medizin
an der Asklepios Paulinen Klinik in Wiesbaden.

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