Heuschnupfen – keine Frage des Alters
Eine triefende Nase, juckende Augen und kaum Luft zum Atmen – das sind Alarmzeichen für Allergiker. Auf Pollen reagiert inzwischen jeder sechste Deutsche allergisch. Die Zahl der Betroffenen nimmt ständig zu. Und: immer mehr ältere Menschen sind von den lästigen und gefährlichen Beschwerden betroffen.
Schon sehr zeitig im Jahr, noch bevor das erste Grün zum Vorschein kommt, beginnt für viele Allergiker die Heuschnupfensaison. Mit dem Pollenflug der Haselnuss, der Erle und der Birke startet die Leidenszeit der von Heuschnupfen Geplagten. Besonders nach milden Wintern leiden Allergiker schon sehr früh unter verstopfter und laufender Nase, unter juckenden, tränenden und geröteten Augen. Bei vielen kommt noch Müdigkeit hinzu oder es treten chronische Kopfschmerzen auf. Das führt dazu, dass Pollenallergiker über Wochen kaum in der Lage sind zu schlafen, zu arbeiten, zu lernen, geschweige denn, ihre Freizeit zu genießen. Die Beschwerden sind nicht nur lästig, sie sind gefährlich. Ein über Jahre hinweg unzureichend behandelter Heuschnupfen kann zu einem chronischen Bronchialasthma und zur Schädigung der Lunge führen.
Wie kommt es zur Pollenallergie?
Heuschnupfen ist eine Allergie auf eigentlich harmlose Pflanzenpollen. Auslöser der Allergie sind jedoch nicht die Pollen selbst, sondern Eiweißstoffe im Inneren der Pollen. Bei entsprechend empfindlichen Menschen führt der erste Kontakt mit diesen Stoffen zur Entwicklung von Antikörpern (=natürliche Abwehrstoffe). Dieser Prozess läuft in der Regel unbemerkt ab; noch zeigen sich keine Beschwerden. Der Organismus erkennt von diesem Zeitpunkt an die harmlosen Substanzen als vermeintlich gefährlich und schlägt Alarm. Er ist „sensibilisiert“ und bildet im Laufe von Jahren immer mehr Antikörper, die bei erneutem Kontakt mit der allergieauslösenden Substanz über bestimmte Botenstoffe die typischen allergischen Reaktionen auslösen. Die Entwicklung eines Heuschnupfens kann so also Jahre dauern, die Beschwerden je nach Allergietyp vom Frühjahr bis spät in den Herbst auftreten.
Immer mehr ältere Menschen betroffen
Bislang galt die Pollenallergie als typische Erkrankung des jungen Menschen. In jüngster Zeit aber häufen sich Hinweise, dass zunehmend auch Ältere an Heuschnupfen erkranken. Die Hausärzte und Allergologen sehen immer häufiger Patienten mit allergischen Beschwerden, bei denen die Pollenallergie erst nach dem 40. oder 50. Lebensjahr manifest wird. Die möglichen Gründe hierfür liegen noch im Dunkeln.
Genauso wichtig wie bei einem jugendlichen Allergiker ist auch beim älteren Allergiker eine rechtzeitige Diagnostik und Therapie, um weitere Gesundheitsschäden zu verhüten. Allergien beeinträchtigen massiv die Gesundheit, schränken teilweise die Lebensqualität erheblich ein und können sogar einen akuten, lebensbedrohenden Verlauf nehmen. Trotzdem besteht immer noch die Neigung, Allergien zu bagatellisieren. Nach Schätzungen werden nur zehn Prozent der Allergiker korrekt therapiert.
Verschiedene Diagnosemöglichkeiten download Bridget Jones's Diary
Ob und gegen welche Pollen der Mensch allergisch reagiert, lässt sich mit einfachen Tests feststellen:
Pollenflug beobachten: Erste Anhaltspunkte gibt ein Vergleich des Zeitpunktes und der Dauer von Beschwerden mit den täglichen Pollenflugvorhersagen. Lassen sich Übereinstimmungen erkennen, kann das ein Hinweis auf eine mögliche Allergie sein.
Prick-Test beim Hausarzt: Tröpfchen mit verschiedenen Pollenlösungen werden auf den Unterarm geträufelt. Mit einer sehr feinen Nadel werden die Lösungen dann in die oberste Hautschicht eingebracht. Keine Angst: den Stich spürt man kaum. Kommt es zu Rötungen und Quaddeln ist dies der Nachweis einer Allergie. Getestet werden rund zwanzig Substanzen, wie Gräser, Getreide, Baum- und Blumenpollen sowie Hausstaubmilben.
Vorbeugende Maßnahmen:
Tragen Sie im Freien zum Schutz der Augen eine Sonnenbrille.
Halten Sie beim Autofahren die Fenster geschlossen und parken Sie nicht unter einem „Pollenbaum“.
Gehen Sie am besten eine halbe Stunde nach einem Regenschauer ins Freie, dann ist die Pollenkonzentration geringer.
Lüften Sie die Wohnung in der Stadt am besten zwischen 6 und 8 Uhr, auf dem Land zwischen 19 und 24 Uhr.
Vor dem Schlafengehen täglich die Haare waschen, um Pollen zu entfernen.
Hängen Sie die Kleidung vom Tage nicht in das Schlafzimmer.
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Noch gibt es leider kein Allheilmittel. Heuschnupfen-Geplagte müssen viel Energie aufbringen, die für sie geeignete Therapie zu finden. Bei dem einen mag Akupunktur den gewünschten Erfolg bringen, bei einem anderen hilft die Spezifische Immuntherapie (= Hyposensibilisierung). Neben den einfachen, die Beschwerden lindernden Medikamenten wie Allergietabletten, abschwellenden Augen- und Nasentropfen oder entzündungshemmend und antiallergisch wirkende Kortisonpräparaten, ist die Spezifische Immuntherapie die einzige Behandlung, die an der Ursache der Allergie ansetzt. Das Ziel dieser Hyposensibilisierung ist, die Überempfindlichkeit gegen die allergieauslösende Substanz allmählich abzubauen. Diese Therapie verlangt viel Durchhaltevermögen, sie dauert zwei bis drei Jahre!
Neue Therapien werden erprobt
Eine neue „Turbo-Immuntherapie“ verkürzt die Zeit bis zur ersten Beschwerdelinderung erheblich gegenüber der konventionellen Hyposensibilisierung. Bei dieser neuartigen Behandlungsform geschieht die Aufdosierung bis zur Maximaldosis an einem einzigen Tag. Die Behandlung kann daher auch noch kurz vor der Pollensaison gestartet werden.
Seit Ende 2006 ist die „Grastablette“ auf dem Markt. In dieser Tablette sind winzige Partikel der allergieauslösenden Gräserpollen enthalten. Sie muss täglich unter die Zunge gelegt werden, wo sie sich schnell auflöst. Der Körper nimmt die Allergene über die Mundschleimhaut auf und gewöhnt sich langsam daran. Die Behandlung sollte ungefähr sechs Wochen vor Beginn des Pollenfluges beginnen und dauert etwa drei Jahre.
Noch im Experimentierstadium befinden sich Versuche, Allergien mit einer Schluckimpfung vorzubeugen. Eine umfangreiche Studie dazu an der Berliner Charite wird 2009 erste Ergebnisse liefern.
Bis dahin heißt es Geduld haben. Versüßen kann sich der Allergiker das Warten mit leidenschaftlichem Küssen, das den Heuschnupfen ebenfalls lindert. Aber auch hier ist Durchhaltevermögen gefragt: Japanische Forscher haben herausgefunden, dass ein 30 Minuten langer Kuss die allergische Reaktion des Körpers dämpft und zu einer Milderung der Heuschnupfenbeschwerden führt.
Der Autor:
Dr. med. Martin Weiner ist Facharzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren und Akupunktur in Wackernheim.
