Leserwanderung Rheinsteig: Petrus ist rostfrei
Der Rheinsteig mit seinen zahlreichen Höhenmetern und unbefestigten Wegen fordert rostfreie Wanderer. Im besten Falle gesellt sich ein rostfreier Heiliger hinzu, wie bei unserer Leserwanderung. download The Telling dvd Rush Hour 2 film Hot Shots! Part Deux trailer
Wandern bei strömendem Regen ist genauso doof wie Sternenhimmel betrachten bei geschlossener Wolkendecke. Deshalb hatten wir uns für unsere Leserwanderung gutes Wetter gewünscht. Und Petrus, der es in den Wochen zuvor ordentlich regnen ließ, bewies, dass er durchaus rostfrei ist und bescherte uns herrliches Wanderwetter.
Beim rostfrei sein übertrafen Petrus nur unsere Leser. 30 Wanderfreunde fanden sich am 27. April um 10.45 Uhr am Bahnhof in Lorch ein, um mit dem Zug eine Station weiter nach Kaub zu fahren und von dort aus auf dem Rheinsteig zurückzuwandern. Sogar aus Brohl in der Eifel kam eine fünfköpfige Wandertruppe, die aus der Halbtageswanderung kurzerhand einen Tagesausflug machte. Geführt wurden wir von dem erfahrenen Reiseführer und Diplom-Geographen Helmut Spoo, der sich nicht nur innerhalb Deutschlands auskennt, sondern mit seinen Gruppen gerne auch exotischere Gefilde bereist. Er führte Reisegruppen schon durch Nepal, Peru und Island. Und was soll man sagen: Viele unserer mitwandernden Leser hätten wahrscheinlich auch den Himalaja kleingekriegt.
Das Wandern ist des Lesers Lust
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Die Wanderung von Kaub nach Lorch beträgt 14,5 Kilometer. Damit einem der Rhein zu Füßen fließt, muss man hoch hinauf. In unserem Falle 420 Höhenmeter. Das Gute: Man erledigt die schwere Arbeit direkt zu Beginn und wandert dann – von kleinen An- und Abstiegen abgesehen – immer auf der Höhe mit herrlichem Blick auf das Mittelrheintal. Doch bevor wir den Aufstieg wagten, klärte uns Herr Spoo darüber auf, dass uns die Wanderung durch den Freistaat Flaschenhals führe. Der Freistaat Flaschenhals ist ein historisches Kuriosum und erinnert ein wenig an Asterix und Obelix: Nach dem Ende des ersten Weltkrieges war ganz Deutschland von den Siegermächten besetzt. Ganz Deutschland? Nein. Eine kleine Fläche blieb unbesetzt. Bei der Aufteilung – die übrigens mit Landkarte und Zirkel vonstatten ging – schlugen die Besatzer um Mainz und Koblenz zwei Kreise, um ihr Territorium abzustecken. Zwischen Lorch und Kaub blieb eine Fläche frei, die wie eine umgedrehte Flasche aussah.
Während der Wanderung wählte Herr Spoo zahlreiche schöne Stellen aus, an denen wir eine Trink- und Luftholpause einlegen und zugleich seinen interessanten Ausführungen lauschen konnten. Die erste Verschnaufpause nach dem Anstieg bot einen herrlichen Blick auf Burg Gutenfels und die ehemalige Zollburg Festung Pfalzgrafenstein, die wie ein Schiff mitten im Strom steht und deren vordere Ecken als Eisbrecher dienen. Das letzte Mal, so erfahren wir, war der Rhein im Winter 1962/63 streckenweise zugefroren. An der Loreley staute sich das Eis so stark, dass es gesprengt werden musste, da keine Eisbrecher mehr durchkamen. Im Jahr 1929 war der Fluss fast auf seiner gesamten Länge zugefroren. Den Beweis hierfür lieferte ein historisches Foto, das Herr Spoo mitgebracht hatte.
Nicht nur unser realer und unser Wissensdurst wurden während der Wanderung gestillt: Bevor wir nach fast fünf Stunden zum kulinarischen Ausklang beim Weingut Altenkirch in Lorch einkehrten, das uns eine abwechslungsreiche Speisekarte zusammengestellt hatte, rückten wir unserem Hunger zunächst bei einem kleinen Picknick zuleibe und wählten dafür eine interessante Stelle: Im Niederthal, exakt auf der Landesgrenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz ließen wir uns auf Ruhebänken nieder. Hier steht auch ein Grenzstein aus dem Jahr 1531 sowie eine kleine Infotafel und ein Grenzbuch, in das man sich eintragen kann. Herr Spoo nutzte die Pause, um die Kondition der Mitwanderer und die Stimmung innerhalb der Gruppe zu loben sowie ein weiteres rostfrei-Projekt vorzustellen.
Der Rheinsteig hat wirklich viel zu bieten. Wie viel erfährt man erst durch einen fachkundigen Wanderführer. Herr Spoo referierte über den Status des Weltkulturerbes und seinen Einfluss auf den Tourismus. Über die zahlreichen Burgen und Ortschaften, die auf unserem Weg (oder gegenüber) lagen wie das Mittelalterstädtchen Bacharach, das als „heimliche Hauptstadt der Rheinromantik“ gehandelt wird und zahlreiche Literaten zum Schwärmen brachte. Außerdem referierte er – als Geograph fast schon Pflicht – über den Naturraum Oberes Mittelrheintal mit seinen reichen Vorkommen an Schiefer und seinen idealen Bedingungen für den Weinbau, für dessen Entwicklung die Technik des Terrassenweinbaus und das milde Klima wesentlich waren.
Ein wunderschöner Wanderweg, interessante Exkursionen, herrliches Wetter, eine tolle Gruppe. Besser hätte der Tag nicht sein können. Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Spoo, bei Ihnen, liebe Mitwanderer und natürlich bei Petrus, der hoffentlich bei unserer nächsten Wanderung auf dem Westerwaldsteig auch wieder dabei sein wird.
Mehr Infos zum Rheinsteig unter www.rheinsteig.de
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