Yoga & ich?!
Yoga, der uralte indische Übungsweg, liegt voll im Trend. Dass er dort gut liegt, weiß auch Eva-Maria Crusius. Dabei war ihre erste Begegnung mit der Weisheitslehre nicht ganz freiwillig und vor allem nicht vorurteilsfrei: die Geschichte einer Bekehrung.
Familie, Karriere, das unausweichliche Älterwerden, allem und allen gerecht werden: Irgendwann blieb mir buchstäblich der Atem weg. Was tun? Zunächst raus und in der Idylle einer Heilbehandlung zur Ruhe kommen. Gesunde Ernährung, Entspannung und Bewegung, so sollte mein neues Leben aussehen.
„Am Nachmittag haben Sie dann Ihre erste Yoga-Stunde“, sagte der Kurarzt und machte meinem Vorhaben einen vermeintlichen Strich durch die Rechnung. „Yoga? Ich? Klar!“, dachte ich. „Vorher hole ich noch meine lila Latzhose raus, flechte einen Wiesenblumenkranz und trinke etwas Matetee zur Einstimmung. Ich bin doch nicht zum Spaß hier, ich will wieder fit werden. Wo bitte bleibt beim Yoga die dynamische, kraftvolle Bewegung?“
Dass Yoga unserem guten alten Turnvater Jahn in Sachen Dynamik und Kraft in nichts nachsteht, erfuhr ich allerdings schnell. Er wirkt aber nicht allein auf der körperlichen Ebene sondern bezieht durch bewusste Atmung, Entspannung, Konzentration und Meditation den Geist mit ein. Yoga bietet ein ungeahntes Spektrum an Möglichkeiten, das mit dem Ziel, absolute Freiheit zu erlangen, bis zum Spirituell-Religiösen reichen kann. Daher auch das von mir lange und vehement gehegte Vorurteil, Yoga sei esoterischer Quatsch aus einer fremden Welt.
Dabei lässt sich der Übungsweg unserem westlichen Kulturkreis problemlos anpassen: Die bewusst und gezielt durchgeführten Übungen funktionieren auch ohne spirituellen Hintergrund. Ich werde den Einstieg über die Bewegung nehmen – ein mir vertrautes Terrain – und mich langsam vorarbeiten. Schon die alten Römer wussten, dass ein gesunder Geist einen gesunden Körper bedingt: „mens sana, in corpore sano“.
Yoga scheint mir ein guter Weg dahin zu sein.
