Zukunftsmarkt 50plus: Wie sich Unternehmen auf die Zielgruppe einstellen

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Mittlerweile hat auch die Wirtschaft erkannt, dass Sie die Zielgruppe der Zukunft sind, denn Sie stellen hohe Ansprüche an die Produkte, die Sie konsumieren. In Mainz fand im Februar 2007 die dritte Euroforum-Jahrestagung zum Thema „Zukunftsmarkt 50plus“ statt. rostfrei zeigt Ihnen, was die Unternehmen tun, um Ihren Ansprüchen gerecht zu werden.

Inkontinenz: Wie wirbt man für ein Tabuthema?

Diese Frage stellte sich der SCA-Konzern, ein internationaler Papierhersteller, der unter dem Markennamen „Tena“

Produkte für Blasenschwäche und Inkontinenz anbietet. Obwohl Blasenschwäche so häufig ist wie Heuschnupfen oder Migräne, redet kaum jemand offen darüber. In Deutschland sind 5,3 Millionen Menschen von leichter Blasenschwäche betroffen, 740.000 leiden unter schwerer Inkontinenz. Die Ursachen für Blasenschwäche sind vielfältig und treffen kann es Frauen und Männer in nahezu jedem Alter, wobei Frauen ab Mitte vierzig am stärksten betroffen sind.
Insgesamt also rund sechs Millionen potenzielle Kunden für die Tena-Produkte. Doch wie erreicht man sie? Durch die Erfahrung aus vielen, teilweise überaus erfolglosen Werbemaßnahmen haben die Verantwortlichen bei Tena gelernt, dass es einige Aktionen gibt, die absolut Tabu sind. Dazu gehören die direkte Ansprache von Menschen im Supermarkt oder die persönliche Anrede in Werbebriefen. In beiden Fällen empfinden es viele als Unverschämtheit, mit dem Thema Blasenschwäche in Verbindung gebracht zu werden. Tabu sind auch die Verbindung zu Alter und Krankheit sowie eine übertriebene, unrealistische Kommunikation. Gut kommt hingegen eine wirklichkeitsnahe und menschliche Werbung an, mit der man sich identifizieren kann.
Für ein besseres Image von Tena hat der Konzern daraufhin das Erscheinungsbild der Produkte verändert, um mehr Modernität zu vermitteln. Außerdem soll die Darstellung von vielen unterschiedlichen Personengruppen zeigen, dass fast jeder von Blasenschwäche betroffen sein kann – ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht.

Wie sieht der typische Diabetiker aus?

Er heißt Peter, ist 52 Jahre alt, Dipl.-Ingenieur, verheiratet, hat zwei Kinder, lebt in einem Eigenheim und ist seit sieben Jahren Diabetiker. In Deutschland leben insgesamt rund sechs Millionen Diabetiker, von denen gut ein Drittel regelmäßig Insulin spritzen muss. Der Bayer-Konzern, unter anderem ein großer Hersteller von Blutzuckermessgeräten An American Affair buy Stella: Live in Boston movie download

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, teilt Peter und die anderen sechs Millionen Betroffenen in drei, nicht immer schmeichelhafte Gruppen ein.
1. „Kompetent und alles unter Kontrolle“ – Hierzu gehört der positive Trendsetter, der sich für seine Therapie engagiert, den Arzt als Partner sieht und sich Informationen aus unterschiedlichen Quellen sucht.
2. „Bitte sag mir, was ich tun soll“. Zu dieser Gruppe gehören die Ängstlichen und Hilfsbedürftigen, die voll auf den Rat des Arztes vertrauen.
3. „Ängstliche Informationssucher“ – Das sind die wehleidigen und skeptischen Zeitgenossen, die bei jeder Aussage ständig nachhaken und alle Informationen durch anschließende Recherche kontrollieren.
Typische Freizeitaktivitäten eines Diabetikers sind laut Bayer Kochen, Zeitung lesen, Wandern und Heimwerken. Er informiert sich mit dem „Diabetiker Ratgeber“, liest das „Goldene Blatt“ und sieht gerne Heimatfilme und Quizsendungen. Haben Sie sich wiedererkannt? Fragen Sie am besten ihren Ehepartner, der kennt Sie besser.
Aus diesen Erkenntnissen zieht Bayer die Konsequenz, dass bei der Kommunikation mit dem typischen Kunden eine klare und einfache Sprache anzuwenden ist. Außerdem müssen einfache Bestellmöglichkeiten für die Diabetes-Produkte geschaffen werden. Der Konzern hat einen speziellen Wissensordner erstellt, in dem alles Wichtige rund um die Krankheit nachgeschlagen werden kann. Ergänzt wird der Ordner durch Ernährungsbroschüren, Reisedolmetscher für Notfälle im Urlaub, Blutzuckertagebücher und Gebrauchsanweisungen für alle Blutzuckermessgeräte von Bayer.

Reife Autos für reife Kunden

Wie kann man die Bedürfnisse von älteren Fahrerinnen und Fahrern einem jungen Ingenieur vermitteln, lautet eine zentrale Frage, die sich das Ford Forschungszentrum in Aachen gestellt hat. Zum einen soll ein Kundenprofil 50plus darauf Antwort geben, zum anderen arbeiten die Ingenieure bei Ford mit einem Anzug, der das Alter simulieren kann. Wer ihn trägt, weiß, wie es ist, wenn Beweglichkeit und Sicht eingeschränkt sind, wenn Kraft und Körpergröße weniger werden. Aus den Erfahrungen mit dem Altersanzug und dem Kundenprofil hat Ford folgende Anforderungen erarbeitet:
Das Auto muss einen hohen Sicherheitsstandard haben und leicht zu manövrieren sein.
Gewünscht ist ein bequemer Ein- und Ausstieg mit erhöhter Sitzposition und Bein- und Kopffreiheit.
Die Fahrer erwarten gute Rundumsicht, wobei möglichst alle Fahrzeugecken vorne und hinten sichtbar sein sollen.
Die Bedienelemente müssen gut erreichbar sein und ohne Kraftanstrengung betätigt werden können.
Trotz dieser Verbesserungsvorschläge sieht Ford augenblicklich keinen Bedarf für reine Seniorenautos. Die Neuentwicklungen sollen vielmehr allen Kunden zugute kommen, und ihnen dabei helfen, so lange wie möglich mobil zu bleiben.

Silver Surfer

In Deutschland gibt es rund neun Millionen Internet-Nutzer, die älter als 50 Jahre sind und die Zahl der Silver Surfer wächst beständig. Als Webtreff für die besten Jahre gründete Alexander Wild vor neun Jahren sein Internetportal www.feierabend.de. Die Idee dazu kam ihm, als er seiner Mutter das Internet erklären wollte. Wild arbeitete damals als Webdesigner und Programmierer und „Mutter wollte halt wissen, was der Junge so tut.“ Aus dieser Idee ist das größte deutschsprachige Internetportal für reife Menschen mit inzwischen über 110.000 Mitgliedern entstanden. Feierabend.de bietet kostenlose Informationen zu Hobby, Freizeit, Reise, Weiterbildung, Finanzen, Technik und anderen Themen. Mitglieder schreiben ihre Erlebnisberichte oder tragen im „Poesiealbum“ Aufmunterndes und Nachdenkliches ein – ganz wie zu Schulzeiten. In virtuellen Tagebüchern teilen sie ihre Gedanken und Erlebnisse mit, während sie sich in Foren über Gesundheitsfragen unterhalten, Reise- und Computertipps austauschen oder aktuelle Themen diskutieren. Internetbekanntschaften können sich auch persönlich kennenlernen: Dafür haben sich Regionalgruppen gegründet, die gemeinsame Treffen und Unternehmungen organisieren. Inzwischen gibt es 82 dieser Regionalgruppen – auch in Mainz und Wiesbaden. Mitglieder von Feierabend können sich zudem als Feierabend-Scouts bewerben: Diese Scouts testen Produkte und Verpackungen auf ihre Handhabbarkeit, prüfen, wie verständlich Gebrauchsanleitungen sind oder untersuchen Geschäfte und Online-Shops. Sogar ein eigenes Prüfsiegel, das die getesteten Produkte bewertet, hat feierabend.de eingeführt.

Auf neuen Gleisen zu älteren Kunden

Auch die Deutsche Bahn AG hat „ältere Reisende“ als wichtige Kundengruppe entdeckt: Rund 4,5 Millionen Menschen ab 60 Jahren nutzen die Bahn als Verkehrsmittel und unternehmen 12,7 Millionen Reisen pro Jahr mit dem Zug. Besonders wichtig sind ihnen eine preisgünstige Reise, Bequemlichkeit während der Fahrt, wenig Umsteigen und ein optimaler Gepäcktransport. Außerdem erwarten sie kompetente Beratung, leicht bedienbare Fahrkartenautomaten und verständliche Durchsagen auf dem Bahnsteig. Um diesen Wünschen gerecht zu werden, bietet die Bahn spezielle Angebote an:
Die Bahn-Card50 zum halben Preis für Menschen über 60. Großeltern können damit ihre Enkel unter 15 Jahren kostenlos mitnehmen.
Das „Reisepaket“ bietet für 12,50 Euro Sitzplatzreservierungen, einen „Genuss-Gutschein“ für die Zuggastronomie, persönlichen Service beim Ein- und Umsteigen und weitere Bonusleistungen an.
Mit dem Kuriergepäck werden Koffer, Taschen oder Rucksäcke für jeweils 15,90 Euro zu Hause abgeholt und an die Wunschadresse geliefert.
Preisgekrönt mit dem „Wir-ab-50-Award“ ist der Internetauftritt der Deutschen Bahn. Ein spezieller 55plus-Bereich ist für die älteren Internetnutzer bestimmt und bietet neben der Reiseauskunft auch viele Tipps und Informationen. Benutzerfreundliche Fahrscheinautomaten sind allerdings nicht in Sicht: Hier verweist die Bahn auf ihre Bahnhofsinformationstage, wo unter anderem der richtige Umgang mit Fahrscheinautomaten geübt werden kann. Allerdings finden diese Tage nur auf großen Bahnhöfen und sehr unregelmäßig statt. Auch auf verständlichere Durchsagen werden wir vermutlich noch länger warten müssen.

Wohnformen für die zweite Lebenshälfte

Sie sind über 55 Jahre alt und wollen noch einmal umziehen? Herzlichen Glückwunsch, Sie sind nicht allein. Laut Statistik ziehen nach dem 55. Lebensjahr 20 Prozent der Eigenheimbesitzer und 50 Prozent der Mieter noch einmal um. Die Firma Kampa-Haus rechnet damit, dass der Hauskauf durch die Generation 50plus in den kommenden Jahren stark zunehmen wird. Wichtig dabei ist ein zentraler Wohnstandort mit guter Anbindung an das städtische Leben, an kulturelle Einrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten und Ärzte. Das Haus soll möglichst barrierefrei auf einer Ebene, also ohne Keller und Dachgeschoss, gebaut sein. Speziell für diese Kundengruppe hat Kampa-Haus eine Baureihe „50plus“ entwickelt, welche auf die speziellen Bedürfnisse eingeht.

Das Modell „Klassisch zu Zweit“

ist geprägt von hellen Räumen, einem offenen Koch-Wohn-Essbereich, einem oder mehreren Gästezimmern mit eigenem Bad, getrennten Schlafzimmern und einem überschaubaren Grundstück, das nicht zu viel Arbeit macht.
Gleichwertig ausgestattet ist das Modell „Zu Zweit mit Pflegekraft“

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. Zusätzlich hat dieses Haus noch einen separaten, kleinen Wohntrakt für eine Hilfskraft.
Bei einem „2-Generationen-Haus“

wohnen die Großeltern im Erdgeschoss und die Kinder im Obergeschoss. Beide Wohnbereiche haben separate Eingänge, sind aber durch eine Treppe im Innenbereich verbunden.
Die Wohnform „Mit Freunden alt werden“ zeichnet sich durch zwei oder drei getrennte Wohntrakte aus, die jeweils komplett ausgestattet sind, jedoch zusätzlich einen Gemeinschaftsbereich besitzen – ein Atrium oder einen Essbereich zum Beispiel. Wichtig hierbei ist die Möglichkeit, sich jederzeit in den Privatbereich zurückziehen zu können.